Warum nur Spiele für den AMIGA-Chipsatz ?

...für und mit Amiga OS4

Moderator: OS4Welt-Team

ThorstenS
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Warum nur Spiele für den AMIGA-Chipsatz ?

Beitrag von ThorstenS »

Wenn man sich die Spiele-Neuerscheinungen der letzten Jahre ansieht, sind das i.d.R. nur Spiele für den OCS- oder AGA-Chipsatz (8 bit PAL/NTSC Grafik und 8 bit Paula Sound). Grafikkartenspiele mit höherer bit-Grafik und 16 bit-Sound sucht man vergebens (abgesehen von Heretic 2 und bald Quake 2).

Wieso ist das so? Sind die heutigen AMIGA-Spieleprogrammierer nicht mehr in der Lage Spiele in 24 bit zu entwickeln oder gibt es der AMIGA einfach nicht her. Haben wir damals völlig umsonst unsere Rechner mit Grafikkarten wie der PicassoIV, Cybervision64/3D, Cybervision- und BVisionPPC aufgerüstet? Geschweige denn einer Voodoo-Grafikkarte.

Und heute... verstauben diese Erweiterungskarten in unseren Rechnern, weil nur noch Spiele für den AMIGA-Chipsatz auf den Markt kommen.
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ZeroG
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Re: Warum nur Spiele für den AMIGA-Chipsatz ?

Beitrag von ZeroG »

Naja, können tun sie schon.
Ich denke mal der Grundgedanke geht in die Richtung "Wenn schon Retro dann aber richtig."
OlafSch
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Re: Warum nur Spiele für den AMIGA-Chipsatz ?

Beitrag von OlafSch »

Ich kann jetzt nicht für die Spieleentwickler generell sprechen, aber hier gilt vermutlich ähnliches wie bei Vampire/PiStorm-Unterstützung, also speziell entwickelten Spielen... NG ist ähnlich wie diese schnelleren 68k-Systeme irgendwo zwischen echt Retro und Modern. Es lässt sich wenig bis kein Geld verdienen und erfordert erheblichen Aufwand. Wer ein Spiel für den Amiga entwickelt, macht das aus Idealismus und persönlichen Vergnügen, weniger wegen dem Geld. Und da ist die alte Amiga-Plattform für viele interessanter, auch als persönliche Herausforderung und wegen den Chipsätzen. Und nebenbei, es geht sehr viel mehr Nutzer als unter NG. Und was sicher auch eine Rolle spielt, es gibt mehr Tools wie die Scorpion-Engine. NG müßte da eben auch Tools bieten, die es einfacher machen Spiele dafür zu entwickeln bzw. zu portieren
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Cyborg
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Re: Warum nur Spiele für den AMIGA-Chipsatz ?

Beitrag von Cyborg »

tl;dr:
Emotionen machen viel aus, OS4 weckt davon derzeit leider eher nicht so viel/gute.

Langer Text:
Nun, im Grunde, was die Vorredner schon gesagt haben. Hier noch meine technische Sicht: 68k ist für Spieleschreiber leichter zugänglich. Der Systemaufbau ist leichter zu verstehen, 68k-Assembler ist grundsätzlich auch kein Hexenwerk oder es gibt fertige (und sehr gute) Spieleengines, so daß man sich auf das eigentliche Spiel konzentrieren kann.

Bei OS4 gäbe es durchaus die Möglichkeit - wie es Entwickler-X ja auch schon mehrfach gemacht haben - z.B. mittels Compositing sehr gute Ergebnisse zu bekommen. Für 3D haben wir grundsätzlich auch Werkzeug, was aber leider weit hinter den eigentlichen Fähigkeiten der Hardware zurückbleibt. M.E. sollte sich darauf konzentriert werden, solche Bottlenecks (es gibt da ein paar, nicht nur bei Grafik) zu lösen, anstatt SMP-Luftschlösser zu bauen oder immer der neusten Grafikkartengeneration nach dem Motto "mehr Power!" hinterherzurennen. Aber ich schweife ab ... jedenfalls muß auch noch vieles selbst gemacht werden, weil es kaum (überhaupt keine?) verfügbaren Spieleengines für Compositing und/oder 3D gibt, die interessierte Spieleentwickler für OS4 nutzen könnten.

Abseits vom Technischen: ich sehe OS4 eher als eine weitere Platform eines Multiplatform-Spiels, das sonstwie finanziert und sowieso geschrieben wird, als eine dedizierte Zielplatform. Die Hardware ist ja im Grunde generisch und APIs haben wir auch zumindest die Grundlegensten. Das Problem ist tatsächlich die potentielle Käuferschaft. Zahlenmäßig lohnt es sich finanziell eher nicht, so daß man schon viel Enthusiasmus einbringen muß. Obendrein kommen dann noch die technischen Einschränkungen, was Umsetzungen halbwegs modern geschriebener Spiele auch noch zeitaufwendig werden läßt. Überhaupt ist der Anspruch an Grafik und Sound vermutlich auch noch deutlich höher. Wo bei 68k ein grober Pixelbrei durchaus schon als nette Grafik angesehen wird, sieht das bei FullHD-Bildschirmauflösungen schon anders aus. Und großer Zeitaufwand gepaart mit lächerlich geringen bis gar keinen Einkommensaussichten ist etwas, was sich nur mit sehr viel Enthusiasmus (und Freizeit) aufwiegen läßt. Soviele Schüler und Studenten mit viel Freizeit haben wir halt auch nicht (von denen könnte sich eh kaum einer die arschteure Hardware leisten). Daher denke ich, viele der vorhandenen User/Entwickler kann OS4 auf seiner sauteuren, relativ beliebigen Hardware im Moment einfach emotional nicht so abholen und motivieren, wie es ein OS3.x.y.z auf originaler Classic-Hardware schafft.
.. der SysOp hat immer recht :evil:

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Cyborg
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Re: Warum nur Spiele für den AMIGA-Chipsatz ?

Beitrag von Cyborg »

P.S: außerdem stellt sich mir bei solchen Themen immer die Frage: was brächte heute mehr Nutzer zu OS4 und damit auch mehr potentielle Käufer und nicht zuletzt Entwickler? Ein paar Spiele, die im Grunde wegen praktisch gleicher Hardware gegen Multi-Millionen-Spiele auf anderen Plattformen anstinken müssen, die es für 2,50 bei Steam oder GOG im Ausverkauf gibt und die man nach ein paar Wochen oder sogar Tagen eh nicht mehr beachtet? Oder vielleicht doch eher die Fähigkeit, OS4 im täglichen (zumindest privaten) Gebrauch zu haben, wie ordentliches Email, kein veralteter Webbrowser, übliche Anwendungen fürs heimische Büro, etc., so daß man nicht gezwungen ist, für solche Pipifaxaufgaben den Mac oder PC anzuwerfen?
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MagicSN
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Re: Warum nur Spiele für den AMIGA-Chipsatz ?

Beitrag von MagicSN »

Ich glaube es ist eine Philosophie-Frage.

Für uns, die wir hier schreiben haben wir auf der einen Seite ein veraltetes komisches Dings und auf der anderen Seite einen modernen Amiga.

Für die Leute die mit dem Amiga-Chipsatz rumwerkeln haben wir auf der einen Seite einen "echten Amiga" und auf der anderen Seite einen "PC mit PowerPC und PC-Grafikkarte" (eine bestimmte Person im Dunstfeld "Amiga Chipsatz Fans" mit dem ich mich öfters unterhielt, der war nach ner Weile verwundert, warum ich bei Sachen die er sagte, immer so mega angepissed war. Es war ihm nicht mal KLAR GEWESEN, dass ich das als Beleidigung sah, wenn er meinen x1000 "PC" nannte. Und dass ich da anderer Meinung sein könnte. Auch dass es jemand seit der 90er für hoffnungslos veraltet und "hässlich" fand direkt die Customchips anzusprechen. Ich erinnere mich dass ich in Diskussionen immer von "ugly direct hardware hits" sprach, die ich nicht gut fand. Das ganze Konzept "ugly direct hardware hit" war für meinen Gesprächspartner unverständlich, da er das gerade "schön" fand (an der Stelle hab ich dann einen gewissen 68k Amiga Clone als "Vectorbox" bezeichnet, um mich für den "PC" zu revanchieren - ich meine sieht schon bissl nach https://cdn.vector.com/_processed_/4/1/ ... db06ca.jpg aus oder ? ^^ Aber später bin ich dann wieder netter gewesen ^^).

Das Problem ist, die verschiedenen Amiga "Camps" haben sich so weit auseinanderentwickelt in ganzen Jahrzehnten - dass sie sich vermutlich nicht mal mehr über die UHRZEIT einig wären. Wobei ich die Erfahrung gemacht habe, wenn man sich Mühe gibt (und Sprüche über PCs und Vectorboxen sein lässt ^^) kommt man miteinander klar wieder ;-)

Selber habe ich schon in den 90ern dafür gekämpft, dass Spiele Grafikkarte unterstützen und nicht "den alten Schrott". Für die Leute, die heute noch Fans des alten Chipsets ist, ist das kein "alter Schrott".

Selber hab ich nicht mal auf meinem PiStorm Rechner (den hab ich neben dem x1000 auch) einen "alten Monitor" angeschlossen, um Chipset Krams laufen zu lassen. Ich hab nur am HDMI was angeschlossen.

Persönlich find ichs sowieso recht unsinnig, ich meine Software für PiStorm und Vampire kann auch Grafikkarten-Modi nutzen. Sprich mit Grafikkarten-Modi hätte man dann Support weiterhin für diese, ABER auch noch für weitere Systeme...

Aber ich denke es ist eine Philosophie-Sache. Die Leute die heute Chipset Krams wollen, die wollten das vermutlich auch in den 90ern und hielten jeden der anderer Meinung war für "keinen richtigen Amiganer". Während ich damals dachte "wenn man den Chipset Schrott nicht bald seinlässt, ist das das Ende der Plattform". Damals hatte ich dann S3 angeschrieben nach ner Anleitung für den S3 Virge (hatte ich auch bekommen und eine kleine Lib geschrieben, um 3DHW erzeugen zu können - die Anleitung gab ich dann nach dem Proof-of-Concept an Sam Jordan weiter, der eine Bibliothek für mehrere verschiedene Hardware schreiben wollte (aber S3 gab inzwischen keine Anleitungen mehr an Einzelpersonen weiter). Nannte sich dann Warp3D ;-)

Ich weiß noch als ich dann meinen 800 MHz AmigaOne bekam wie beeindruckt ich war, dass der ganze alte Schrott weg war, und wie super das OS4 dann lief. Zudem gefällt mir das ganze Look&Feel vom OS4 viel besser, und am OS3er System krieg ich immer die Krise weil x Sachen die ich für unverzichtbar halte dort fehlen (egal welche OS3.x Variante).

Ich weiß noch, wie ich mal vorschlug "man sollte mal das Icon-System von OS4 auf OS3.x portieren" und mir gesagt wurde "die Leute die OS 3.x verwenden WOLLEN diesen Retrolook. Selber wäre ich nie auf die Idee gekommen.

Was noch ne große Rolle spielt - Während Covid holten viele die alten 68k Kisten ausm Keller oder so. Und inzwischen ist 68k ein deutlich größerer Markt als PPC (keine Sorge, ich gebe OS4 nicht auf - aber ich unterstütze wann immer möglich beides nun, wobei manche Sachen, wenns nicht geht, u.U. OS4 only sein werden oder zumindest nur auf bestimmten 68ks laufen bei der 68k-Version).
OlafSch
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Re: Warum nur Spiele für den AMIGA-Chipsatz ?

Beitrag von OlafSch »

Inzwischen scheint sich sogar der "Klassik"-Bereich in einzelne Fraktionen zu zerteilen. Da gibt es dann das 3.2-Lager, das auf jede abweichende Meinung sofort negativ reagiert, das Puristenlager, Leute die Amikit toll finden gegen andere. Und die originalen Quellcodes scheinen zwingend zu sein um es emotional zu akzeptieren. Keine Ahnung ob das Theme "Originale Quellcodes" Amiga-spezifisch ist oder in allen Retro-Communities so ist. Ist mir jedenfalls anderswo noch nicht aufgefallen. Ich denke da anders... wenn etwas grün ist, die Form eines Frosch hat, hüpft und quakt wie ein Frosch dann ist es für mich ein Frosch ;). Aber viele scheinen anders zu denken. Was Software angeht bzw. das OS, da hängt es davon ab an wen man ein System verkaufen will. Sind es Gelegenheitsspieler, dann muß man sich auf Spiele und beim OS auf die relevanten Teile konzentrieren. Will man es als System weiterentwickeln, das man als Hauptsystem nutzt, dann müßte man sich auf fehlende Teile dort konzentrieren. Wobei da glaube ich viel mehr zu tun wäre, man bräuchte z.B. ein sicheres und stabiles System mit vollem Speicherschutz
MagicSN
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Re: Warum nur Spiele für den AMIGA-Chipsatz ?

Beitrag von MagicSN »

@OlafSch:

Kann Dir nur zustimmen. Und was das mit den Quellcodes angeht - zum Einen merkt man das bei der Benutzung gar nicht, und das finde ich dann ziemlichen Unsinn (ähnlich habe ich mal eine Ansicht gehört "AmigaOne ist kein Amiga weil er beim BIOS eine x86 Emulation drin hat" - wieder so was, was man gar nicht mitkriegt, und was daher ziemlich unsinnig ist).

Zum Anderen - ich hab die Quellcodes gesehen (oder einen Teil davon). Ich sag nur da ist das was das OS4 Team erreicht hat, eine deutliche Verbesserung (gehe davon aus bei OS3.2 wird das ebenso sein).

Das klingt mir nach nem sehr "künstlichen" Argument, das Suchen nach einem Argument mit dem man alle Systeme die man "nicht mag" ablehnen kann.

Gruß,
Steffen
jochen22XL
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Re: Warum nur Spiele für den AMIGA-Chipsatz ?

Beitrag von jochen22XL »

Schön mal eine Unterhaltung mitzukriegen wo vernünftig über Amiga geredet wird.
Und wenns dann noch Entwickler sind ists doppelt interessant.
jochen22XL
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Re: Warum nur Spiele für den AMIGA-Chipsatz ?

Beitrag von jochen22XL »

ThorstenS hat geschrieben: 3. April 2024 16:37 ...
Haben wir damals völlig umsonst unsere Rechner mit Grafikkarten wie der PicassoIV, Cybervision64/3D, Cybervision- und BVisionPPC aufgerüstet? Geschweige denn einer Voodoo-Grafikkarte.

Und heute... verstauben diese Erweiterungskarten in unseren Rechnern, weil nur noch Spiele für den AMIGA-Chipsatz auf den Markt kommen.
Grafikkarten waren eben auch sauteuer und sind bestimmt nicht sehr verbreitet.
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